Kurz bevor die OMD 2007 die Pforten öffnet, ist es jetzt offiziell: Web 2.0 ist tot. Vermutet hatte man es ja durchaus schon, dass die große digitale Revolution, des “Mitmach Internet” (so formulierte es das Bahnmagazin unlängst), es irgendwie auch nicht ganz packend wird.
Aber liebe Gemeinde, lasst und Trost und Zuversicht finden in der Überzeugung, dass es bald Web 3.0, 4.0, Web x.yz etc. geben wird; und auch wenn das Kind dann einen anderen Namen hat – die ultimative Befreiung des Internet Users aus der bedingt selbst und beding fremd verschuldeten Unmündigkeit(vielleicht schafft es der Begriff des digital enlightments auch in die Top10 des Bullshit Bingo?) wird vorangetrieben werden.
Coole Inhalte werden immer ihren Abnehmer finden, Communities werden auch morgen noch da sein. Und ein Schimmel wird auch dann noch ein weißes Pferd sein wenn er einen anderen Namen trägt.
Hier die offizielle Stellungnahme zum Ableben von Web-Two-Dot-Zero
Die Tui versucht heute per Pressemitteilung in Sachen Innovativität zu punkten. Aber wo in anderen für den Onliner relevanten Gazetten, Blogs und Magazinen darüber berichtet wird, dass Second Life unter Bevölkerungswachstum leidet und dass auch die Marketingaktivitäten der Firmen zurückgehen bzw. auch gerne mal komplett eingestellt werden, da geht der Plan der TUI irgendwie nach hinten los. Da ist Innovation wohl in den Wirrungen der Konzernstruktur verpufft, schade aber auch.
Einen sehr interessanten Beitrag in der Kolumne von Bernd M. Michael aus der absatzwirtschaft möchte ich nicht unerwähnt lassen. Unter dem Titel >>Zukunft – oder “Viel Lärm um Nichts” << findet sich hier viel lesenswertes zum Konsolidierungswelle bzw. dem Einkaufswahn einiger Offliner um in den Online Bereich (idealer Weise dann gleich in totaler Web 2.0 Fähigkeit) zu drängen aber auch über die Chancen der immer noch “neuen” Medien sich aus alten Budgettöpfen zu bedienen, wenn denn die Beweisführung per Tracking und Kennzahl ordentlich geführt wird, dass online spendings sinnvolle spendings sind.
Kommen wir zur vertieften Betrachtung der Web 2.0 Fähigkeit des Christentums.
Wie bereits erkannt, hat das Christentum in Sachen User Generated Content eine sehr ausgeprägte Anti-Haltung, schade eigentlich
Schauen wir uns einen weiteren Faktor an – die Bezeichnungen der (v.a. leitenden) Angestellten. Für eine richtiges Multimedia | Web-Two-Dot-Zero kompatibles Unternehmen gehören eben auch die passenden Berufsbezeichnungen. Ihr wisst schon : firmenaffines Humankapital statt aalglatter Anzugdepp, aus dem leitenden Sales Mökel wird der Senior Business Development Manager etc.
Ich sage es nicht gern, aber auch hier punktet das Christentum nur seeehr bedingt.
Wenn wir uns da mal gleich den Junior Chef angucken: Jesus von Nazareth. Heiland, Erlöser, Messias sind die gängigen und durchaus auch sehr schmissigen Titel. Aber die sind leider nicht wirklich brauchbar für unsere Untersuchung. Stellen wir uns vor, dass Christentum schreib nen Pitch um seine Corporate Website überarbeiten zu lassen und dann rauschen die Agenturen an und es hagelt Visitenkarten von Senior Key Account Managern, Senior Content Developern, Executive Sales Directors etc.
Also mal ehrlich, wenn man dann mit dem Titel Jesus von Nazareth, Messia auf der Business Card punkten will, dann sieht das denke ich eher schlecht aus. So richtig Web 2.0 (mit starker Tendenz zu Web 13.0) wäre der Titel Junior Vice President Faith & Salvation.
Und die Evangelisten sollten auch mal ganz dringend zu Chief Blogging Officers umgetauft werden!
Unlängst mit Laptop bewaffnet bei Planten und Blomen im Deckchair sitzend (war glaube ich schon vor zwei bis drei Wochen, also durchaus outdoor kompatibles Wetter gewesen), stellte ich mir die Frage, ob das Christentum sowie die anderen populären Weltreligonen wirklich Web two-dot-zero tauglich sind.
Erste Annahme ist, dass dies nur bedingt der Fall ist.
Ein Beleg für diese Annahme ist das dritte Gebot:
Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem was oben im Himmel, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist: Bete sie nicht an und diene ihnen nicht. Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetaten der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen, aber Barmherzigkeit erweist an vielen Tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten. (Ex 20,4-6 und Dtn 5,8-10)
Das widerspricht ja total dem Gedanken des user-generated contents und crowdsourcing fällt auch völlig flach. Nix mit “das neue Mit-Mach-Internet” wie das Bahnmagazin Web-Two-Dot-Zero unlängst definiert hat.
Tja, somit steht es 1:0 gegen die Web-2-0-Kompatibilität des Christentums. Schade eigentlich . Wie das Rennen ausgeht? We’ll keep you informed!